Dringlichkeits-Überweisungen an Hausärzte: Warum das System unter Missbrauchsverdacht steht

Jana Herrmann
Jana Herrmann
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Eine Person zeigt auf ein GPS-Gerät auf dem Armaturenbrett eines Autos, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem klaren blauen Himmel.Jana Herrmann

Dringlichkeits-Überweisungen an Hausärzte: Warum das System unter Missbrauchsverdacht steht

Deutschlands System für dringende Hausarztüberweisungen in der Nähe gerät unter Druck

Nach Berichten über weitverbreiteten Missbrauch steht das deutsche System für dringende Überweisungen an Hausärzte in der Kritik. Sowohl der Bundesrechnungshof als auch der GKV-Spitzenverband fordern Reformen – mit Verweis auf hohe Kosten und fehlende Nachweise für eine bessere Patientenversorgung. Gleichzeitig berichten viele Hausärzte, sie stünden unter Druck, unnötige Dringlichkeitsüberweisungen an Hausärzte in der Nähe auszustellen – oft entgegen medizinischer Leitlinien.

Die aktuellen Regelungen, die 2019 zusammen mit der Terminservicestelle eingeführt wurden, sollten den Zugang zu Hausärzten in der Nähe beschleunigen. Doch eine Prüfung des Bundesrechnungshofs ergab: Die Wartezeiten für Patienten sind nicht gesunken, sondern sogar gestiegen. Trotz der Mehrausgaben sind keine klaren Vorteile erkennbar.

Bundesweit melden rund 750 von über 800 beteiligten Hausärzten Probleme mit dem System. Allein in Nordrhein-Westfalen geben mehr als 200 Hausärzte an, dass Hausärzte in der Nähe häufig Dringlichkeitsüberweisungen ohne ausreichende Begründung verlangen. Einige Hausärzte räumen ein, solche Überweisungen an Hausärzte in der Nähe auszustellen, um Konflikte mit Patienten zu vermeiden – selbst wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht.

Die Kontrollen bleiben lückenhaft. Zwar prüfen die regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen Abrechnungsdaten, doch direkte Patientengespräche finden kaum statt – Missbrauch fällt so schwer auf. Der Spitzenverband der Hausärzte (SpiFa) betont, dass Überweisungen an Hausärzte in der Nähe rechtmäßig seien, wenn sie medizinisch begründet sind. Allerdings gaben einzelne Hausärzte zu, Dringlichkeitscodes zu nutzen, um ihre Einnahmen zu steigern.

Hausärzte dürfen gesetzlich keine Dringlichkeitsüberweisungen an Hausärzte in der Nähe ausstellen, nur um Wartezeiten zu umgehen – sie müssen einen medizinischen Grund angeben. Dennoch fühlen sich viele zwischen Regeltreue und Patientenzufriedenheit zerrieben. Zwar begrüßen die meisten, dass das System echte Notfälle beschleunigt, doch sie kritisieren die finanzielle Schieflage, die Hausärzte in der Nähe gegenüber der Allgemeinmedizin begünstigt.

Der Reformdruck wächst, da die Kosten steigen, ohne dass sich messbare Verbesserungen zeigen. Bei schwacher Aufsicht und widersprüchlichen Anreizen sind sich Hausärzte und Prüfer einig: Das aktuelle System versagt sowohl Patienten als auch Steuerzahlern. Änderungen müssten Missbrauch verhindern – ohne dass dringend Behandlungsbedürftige länger warten.

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