Apotheker drohen mit Protesten gegen Gesundheitsministerin Warken
Apotheker drohen mit Protesten gegen Gesundheitsministerin Warken
Der Vorsitzende der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Thomas Preis, hat erklärt, dass die politische Flitterwochenphase für die Schwarz-Rote Koalition vorbei sei. Er kritisierte die jüngsten Vorschläge von Gesundheitsministerin Julia Warken, insbesondere deren Forderung, dass Apotheken mehr Verantwortung übernehmen sollen, ohne ausreichende Unterstützung zu erhalten. Preis kündigte zudem für den Frühling 2026 flächendeckende Proteste an, falls die Forderungen nach fairer Finanzierung nicht erfüllt werden.
Preis richtete sich gegen Warkens Entwurf, in dem er wiederkehrende Ideen ihres Vorgängers erkennt – vor allem das umstrittene Konzept der 'Apotheken ohne Apotheker'. Dies lehnte er entschieden ab und betonte, dass qualifizierte Apotheker für die Arzneimittelsicherheit der Patienten unverzichtbar seien. Seine Haltung deckt sich mit dem Beschluss des Bundesrates aus dem Jahr 2024, der eine ähnliche Regelung mit Verweis auf Bedenken bei der Medikamentensicherheit und der Qualifikation des Personals blockiert hatte.
Die ABDA hatte zuvor eine streng regulierte Form der Vertretung durch Pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA) unterstützt. Doch die Ablehnung durch den Bundesrat sowie die ausbleibende Erhöhung der Grundvergütung (Fixum) für Apotheken haben die Spannungen verschärft. AOK-Chefin Carola Reimann bezeichnete die Forderung nach einer Gebührenerhöhung als 'völlig verfehlt' und verwies auf die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherungen. Preis entgegnete, dass die Anhebung des Fixums auf 9,50 Euro kein Privileg, sondern eine Notwendigkeit sei – zumal Apotheken laut Koalitionsvertrag einen jährlichen Anpassungsanspruch hätten.
Mit Verweis auf eine kürzlich erzielte Honorarvereinbarung für Ärzte – nur einen Tag, nachdem Warken Gebührenerhöhungen für Apotheken ausgeschlossen hatte – warf Preis der Ministerin Widersprüchlichkeit vor. Er betonte, dass die ABDA leere Versprechungen nicht länger akzeptieren werde und die vollständige Umsetzung des Koalitionsvertrags fordere. Um Druck auszuüben, kündigte Preis einen 'Protestfrühling' für 2026 an, darunter eine öffentliche Petition, die von allen 16.000 deutschen Apotheken unterstützt wird.
Trotz der aktuellen Konflikte erkannte Preis Warken als wichtige Partnerin an. Gleichzeitig forderte er, dass die Zusammenarbeit nun in konkrete Taten münden müsse – andernfalls werde die Branche nicht länger auf eine faire Behandlung warten.
Die geplanten Proteste der ABDA spiegeln die wachsende Verärgerung über ausbleibende finanzielle Zusagen und regulatorische Rückschläge wider. Da der Bundesrat bereits zentrale Vorhaben blockiert hat, bereiten sich die Apotheken auf eine längere Kampagne vor, um höhere Gebühren und berufliche Standards durchzusetzen. Preis hat klar gemacht: Ohne Fortschritte wird der Sektor seine Forderungen durch öffentlichen Druck und geschlossene Aktionen eskalieren lassen.
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