Narren stürmen Ulmer Rathaus: Eine 700 Jahre alte Fasnet-Tradition lebt auf
Tobias ZimmermannNarren stürmen Ulmer Rathaus: Eine 700 Jahre alte Fasnet-Tradition lebt auf
Faschingsdienstag 2025, Ulms Rathaus befindet sich in den Händen der Narren – zumindest für ein paar Tage. Während der Fasnetsfeierlichkeiten in Ulm und Nürtingen stürmten die Ulmer Narren das Gebäude und übernahmen die Macht, eine Tradition, die fast 700 Jahre zurückreicht. Selbst die höchsten Stadtbeamten machten mit, verkleideten sich als Videospiel-Figuren und gaben sich dem Treiben hin.
Der Machtwechsel begann mit Oberbürgermeister Martin Ansbacher und Neu-Ulms Bürgermeisterin Katrin Albsteiger, die in Kostümen erschienen. Ansbacher gab sich als Super Mario, Albsteiger als Prinzessin Peach. Ihr spielerischer Widerstand umfasste Limbo-Wettkämpfe, Menschenpyramiden und das Lösen der Rätsel der Narren.
Die Tradition geht auf das Jahr 1345 zurück, als die Bürger Ulms ihren ersten öffentlichen Eid schworen. 1397 wurde sie mit dem Großen Eidbrief offiziell verankert und so zu einem festen Bestandteil des politischen und gesellschaftlichen Lebens der Stadt. Seither erobern die Narren jedes Jahr während der "fünften Jahreszeit" des Karnevals für kurze Zeit das Rathaus.
Trotz aller Gegenwehr setzten sich die Ulmer Narren durch. Das Gebäude bleibt bis zum Faschingsdienstag 2025 in ihrer Hand. Die Stadtverwaltung akzeptiert das Spektakel wie jedes Jahr als Teil einer alten lokalen Tradition.
Bis zum Ende der Fasnet behalten die Narren nun das Sagen im Rathaus. Ihre vorübergehende Herrschaft ist ein humorvolles, aber tief verwurzeltes Stück Ulmer Geschichte. Mit dem Faschingsdienstag 2025 endet das jährliche Ritual – und die normale Amtsführung kehrt zurück.
