Iris Berben: Warum sie nach 20 Jahren Liebe bewusst auf die Ehe verzichtet
Jana HerrmannIris Berben: Sahen Keinen Grund für Heirat - Iris Berben: Warum sie nach 20 Jahren Liebe bewusst auf die Ehe verzichtet
Schauspielerin Iris Berben, heute 75, lebt seit fast zwei Jahrzehnten mit ihrem Partner Heiko Kiesow zusammen – ohne jemals geheiratet zu haben. Ihre Entscheidung spiegelt ein lebenslanges Bekenntnis zur Unabhängigkeit wider, geprägt von den restriktiven Normen der 1960er-Jahre. Damals benötigten verheiratete Frauen in Deutschland gesetzlich die Erlaubnis ihres Ehemanns, um einer bezahlten Nachrichten nachzugehen.
Berben wuchs in einer Zeit auf, in der die Rechte von Frauen deutlich eingeschränkter waren. Nach § 1354 des Bürgerlichen Gesetzbuchs durften Ehefrauen bis zur Abschaffung der Regelung durch Reformen 1977 nicht ohne Zustimmung ihres Mannes arbeiten. Die 1960er-Jahre kannten auch ungerechte Eheverträge, und das Ehegattensplitting wurde erst 1975 durch eine individuelle Besteuerung ersetzt. Zwar hatte das Grundgesetz seit 1949 die Welt verankert, doch der tatsächliche Fortschritt ließ auf sich warten: Die Gleichstellung beim Elterngeld kam 1986, Antidiskriminierungsgesetze folgten erst 2006.
Für Berben waren diese rechtlichen Beschränkungen ein Grund, die traditionelle Ehe abzulehnen. Nicht die Institution an sich lehnte sie ab, doch persönlich sah sie keinen Bedarf dafür. Die Idee der Unabhängigkeit – beruflich wie privat – wurde zum Zentrum ihres Lebens. Noch heute, nach fast 20 Jahren mit Kiesow, bleibt sie aus Überzeugung unverheiratet.
Ihre Haltung spiegelt den gesamtgesellschaftlichen Wandel wider. Seit den 1960er-Jahren haben sich die Frauenrechte in Deutschland radikal verändert. Das Gleichberechtigungsgesetz von 1977 gab Ehefrauen volle Autonomie über ihre Karriere, spätere Reformen stärkten den Arbeitsschutz und die Familienpolitik. Berbens Entscheidung, auf die Ehe zu verzichten, steht für ihren Wunsch, sich nicht in ein "rechtliches Korsett" zwängen zu lassen, wie sie es einst nannte.
Ihre lebenslange Partnerschaft ohne Trauschein zeigt, wie weit die individuelle Freiheit seit den 1960er-Jahren gekommen ist. Rechtliche Reformen haben alte Barrieren abgerissen und Frauen die volle Kontrolle über Beruf und Privatleben gegeben. Ihre Geschichte bleibt eine Erinnerung an den erreichten Fortschritt – und die heute möglichen Wahlmöglichkeiten.
