Theater hinter Gittern: Wie Inhaftierte mit DNA das Publikum begeistern
Tobias ZimmermannTheater hinter Gittern: Wie Inhaftierte mit DNA das Publikum begeistern
Ein einzigartiges Theaterprojekt in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden sorgt erneut für Aufsehen – mit kraftvollen Aufführungen
In diesem Jahr brachten junge Inhaftierte DNA auf die Bühne, ein Stück, das sich mit Gruppendynamik und Gewalt im Jugendalter auseinandersetzt. Die unter der Regie von Matze Vogel entstandene Produktion wurde im hauseigenen Studio der Anstalt aufgeführt – dem einzigen seiner Art in Deutschland – und zog ein ausverkauftes Publikum von rund 80 Zuschauern in ihren Bann.
Die jährliche Theaterproduktion der Justizvollzugsanstalt hat sich längst zu einem Highlight entwickelt: Alle zehn Vorstellungen waren innerhalb weniger Tage ausverkauft. Für die diesjährige Inszenierung wählte Regisseur Matze Vogel DNA des britischen Autors Dennis Kelly, ein Stück, das zeigt, wie Gruppenzwang und kollektives Verhalten in Aggression umschlagen können. Die Inhaftierten – sowohl als Schauspieler als auch als Techniker beteiligt – ernteten nach dem letzten Vorhang stehende Ovationen und mussten sich mehrfach verbeugen.
Hinter den Kulissen wirkt die Kostümbildnerin Nathalie Meyer bereits seit einem Jahrzehnt am Projekt mit. Sie sorgt dafür, dass die Darsteller ihre Kostüme und die Bühnengestaltung aktiv mitgestalten – und so ein Gefühl von Eigenverantwortung entwickeln. Ein Inhaftierter, der nur unter dem Kürzel J. genannt werden möchte, brachte seine Erfahrungen auf den Punkt: "Theater lässt mich Freiheit spüren." Trotz ihrer Inhaftierung finden die Teilnehmer durch das Programm einen kreativen Ausdruck.
Doch das Theater in der Wiesbadener JVA ist mehr als nur Kunst – es ist ein Baustein der Resozialisierung. Die Initiative zielt darauf ab, die jungen Männer auf ein Leben nach der Entlassung vorzubereiten, indem sie Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und Disziplin fördert. Für die nächste Produktion plant Vogel, mit einer kleineren Gruppe zu arbeiten, um den Prozess überschaubarer zu gestalten, ohne dabei die Qualität aus den Augen zu verlieren.
Die feste Studiobühne der Anstalt – eine Seltenheit in deutschen Justizvollzugsanstalten – bietet professionelle Bedingungen für Proben und Aufführungen. Seit 2008 gibt das Programm jungen Straftätern die Möglichkeit, sich künstlerisch zu betätigen, auch wenn die genauen Teilnehmerzahlen über die Jahre nicht dokumentiert sind.
Der Erfolg von DNA unterstreicht die Wirkung von Theater als künstlerisches Ventil und resozialisierendes Instrument. Mit ausverkauften Vorstellungen und begeisterten Reaktionen bietet das Projekt den Inhaftierten eine seltene Chance zur Selbstentfaltung. Die nächste Produktion wird auf dieser Grundlage aufbauen, allerdings mit einem stärker fokussierten Ansatz bei Besetzung und Regie.






