22 March 2026, 12:09

Rheinwasser soll Braunkohletagebaue in NRW fluten – doch Kritik wächst

Ein detaillierter alter Plan der Rhine in Deutschland, der Flüsse, Städte und Gewässer zeigt, mit Text oben und unten, der geografische Informationen bereitstellt.

Rheinwasser soll Braunkohletagebaue in NRW fluten – doch Kritik wächst

Offizieller Start des Großprojekts: Rheinwasser soll ehemalige Braunkohletagebaue in NRW fluten

In Elsdorf ist der erste symbolische Spatenstich für ein ehrgeiziges Vorhaben gefallen: Ein 45 Kilometer langes Rohrleitungssystem soll künftig drei ehemalige Braunkohletagebaue in Nordrhein-Westfalen mit Rheinwasser fluten. Das Projekt weckt Hoffnung auf neue Seenlandschaften, stößt aber auch auf Bedenken wegen der Wasserqualität und industrieller Nutzungsansprüche.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Leitung, bestehend aus 10.000 riesigen Rohren – einige mit einem Durchmesser von über zwei Metern –, wird ab 2030 zunächst Wasser in den Tagebau Hambach leiten. Die beiden weiteren Gruben Garzweiler und Inden sollen 2036 beziehungsweise 2030 folgen. Der Energiekonzern RWE, der das Projekt verantwortet, bewirbt es als Chance zur Schaffung von Seen, zum Schutz von Feuchtgebieten sowie zur Förderung von Tourismus und lokalen Arbeitsplätzen. Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete die Pipeline als "Symbol für Verlässlichkeit und zukünftige Möglichkeiten".

Doch das Vorhaben steht vor rechtlichen und ökologischen Hürden. Zwar ist der Bau der Leitung seit März 2026 genehmigt, doch die endgültige Erlaubnis zur Einleitung von Rheinwasser in den Tagebau Hambach steht noch aus. Die Bezirksregierung Arnsberg will das Zulassungsverfahren im Herbst einleiten; eine Entscheidung wird noch für dieses Jahr erwartet.

Kritiker, darunter Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben, warnen vor den Risiken durch belastetes Rheinwasser. Besonders problematisch seien "ewige Chemikalien" wie PFAS, die die neuen Seen verunreinigen könnten. Der Projektgegner Andreas Büttgen wirft RWE vor, sich mit der aktuellen Strategie eine Hintertür offenzuhalten, um das Vorhaben bei Schwierigkeiten aufgeben zu können. Er fordert strengere Wasseranalysen, öffentliche Kontrolle und wirksamere Reinigungsmaßnahmen, bevor mit der Flutung begonnen wird.

Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller hingegen sieht im künftigen Hambacher See eine Chance, die Stadt als "Elsdorf am See" neu zu positionieren. Der künstliche See solle das Image der Region aufwerten und Besucher anziehen.

Zusätzlichen Druck auf die Wasserressourcen übt der Bau eines hyperskaligen Rechenzentrums von Microsoft in der Nähe aus. Die Anlage wird enorme Mengen Wasser zur Kühlung benötigen – eine Herausforderung in einer Region, in der die Nachfrage nach der knappen Ressource bereits heute hoch ist.

Die geplante Flutung des Tagebaus Hambach bleibt vorerst für 2030 angesetzt, doch entscheidende Genehmigungen fehlen noch. Gelingt das Projekt, könnten aus ehemaligen Abbaugebieten Seen entstehen – doch der Erfolg hängt davon ab, wie Umweltrisiken, industrielle Wasserbedürfnisse und regulatorische Weichenstellungen in Einklang gebracht werden. Die weiteren Entwicklungen werden von behördlichen Entscheidungen, öffentlichem Druck und der anhaltenden Debatte über Wasserqualität und -verfügbarkeit abhängen.

Quelle