04 April 2026, 20:08

NRW-Grundschulen kämpfen mit unvorbereiteten Erstklässlern und überfüllten Klassen

Kinder vor einem Gebäude mit blühenden Pflanzen und Bäumen unter einem klaren blauen Himmel, einige halten Schulranzen.

NRW-Grundschulen kämpfen mit unvorbereiteten Erstklässlern und überfüllten Klassen

Grundschulen in Nordrhein-Westfalen (NRW) kämpfen mit wachsenden Herausforderungen, da immer mehr Kinder ohne grundlegende Fähigkeiten eingeschult werden. Viele Erstklässler haben zunehmend Schwierigkeiten mit Aufgaben, die früher bereits im Kindergarten vermittelt wurden. Die Folge sind größere Klassen und eine steigende Zahl von Sitzenbleibern. Schulleitungen warnen, dass Personalmangel und Defizite in der frühkindlichen Bildung die Probleme verschärfen.

Die flexible Schuleingangsphase in NRW ermöglicht es Kindern, die ersten Schuljahre in ein, zwei oder drei Jahren zu durchlaufen. Ein drittes Jahr gilt dabei offiziell nicht als Wiederholung. Manuel Blum, Schulleiter der Concordia-Schule in Schildgen, verzeichnet einen deutlichen Anstieg an Schülerinnen und Schülern, die die vollen drei Jahre benötigen, um die Lernziele zu erreichen.

Die Klassen werden immer größer: An einigen Grundschulen in Bergisch Gladbach werden mittlerweile 29 Kinder in einer Gruppe unterrichtet. Viele von ihnen haben Lernschwierigkeiten oder einen besonderen Förderbedarf, was den Unterricht komplexer macht. Auch Sprachdefizite spielen eine große Rolle – im Rheinisch-Bergischen Kreis beginnen etwa 25 Prozent der Kinder die Schule mit behandlungsbedürftigen Sprachstörungen.

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Unregelmäßige Kindergartenbesuche aufgrund von Personalengpässen und Notbetreuungsregelungen verschärfen das Problem. Immer weniger Kinder verfügen bei der Einschulung über grundlegende Vorschulkenntnisse wie das Erkennen von Reimen oder Formen. Die Schulen reagieren, indem sie vorschulische Förderung in ihren Unterricht integrieren. Doch statt nach reinen Anmeldezahlen zu planen, müssen Schulleitungen nun abschätzen, welche Zweitklässler Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren.

Die Zahl der Sitzenbleiber in Bergisch Gladbach steigt stetig – von 40 im Schuljahr 2021/22 auf 67 im Jahr 2024/25. Lehrkräfte berichten, dass größere und leistungsheterogene Klassen es zunehmend erschweren, schwächere Schülerinnen und Schüler gezielt zu fördern.

Der Anstieg der Wiederholer spiegelt tiefgreifende Probleme in der frühkindlichen Bildung und Schulreife wider. Da immer mehr Kinder ohne grundlegende Kompetenzen in die Schule kommen, passen die Schulen in NRW ihre Konzepte an – doch große Klassen und begrenzte Ressourcen bleiben zentrale Hindernisse. Die Entwicklung deutet darauf hin, dass sowohl Kindergärten als auch Grundschulen in den kommenden Jahren weiter unter Druck geraten werden.

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