Dystopie trifft Realität: Nora Burgard-Arps Roman Wir nicht fordert Widerstand
Tim PetersDystopie trifft Realität: Nora Burgard-Arps Roman Wir nicht fordert Widerstand
Nora Burgard-Arps Debütroman Wir nicht entwirft ein düsteres Bild einer dystopischen Zukunft, in der reproduktive Rechte unter einem totalitären Regime brutal unterdrückt werden. Die Themen Schweigen, Widerstand und körperliche Selbstbestimmung stehen im Mittelpunkt einer Lesung in Bottrop am 26. September 2025 – nur wenige Tage vor dem internationalen Safe Abortion Day am 28. September.
Im Roman begleitet man Mathilda, eine junge Frau, die Belästigung und Polizeigewalt miterlebt, doch schweigt – bis sie selbst mit einer ungewollten Schwangerschaft konfrontiert wird. Als das Regime ihr die Kontrolle über ihren eigenen Körper entzieht, geht sie zu extremen Mitteln über, um sie zurückzuerobern. Burgard-Arps Erzählung stellt die Leser:innen vor die Frage, wann und wie Einzelne handeln müssen, um Unterdrückung zu verhindern.
Die Veranstaltung in Bottrop, organisiert vom städtischen Gleichstellungsbüro, knüpft direkt an die langjährige deutsche Debatte über Abtreibungsgesetze an. Seit 1871 sind Schwangerschaftsabbrüche hierzulande im Strafgesetzbuch geregelt – § 218 StGB besteht bis heute fort. Die Kontroverse spitzte sich 2022 erneut zu, als Proteste gegen § 219a, der Ärzt:innen verbot, über Abbrüche zu informieren, 2023 zu dessen Abschaffung führten. Kampagnen wie My Voice My Choice (unterstützt von über 1,2 Millionen Unterschriften) brachten das Thema 2026 bis ins EU-Parlament – doch eine vollständige Entkriminalisierung steht weiterhin aus.
Bei der Lesung war Burgard-Arps Roman komplett ausverkauft; die Autorin signierte Exemplare für die Besucher:innen. Neben öffentlichen Auftritten bietet sie auch kostenlose Lesungen an Schulen an, wenn Lehrkräfte sie einladen. Bottrop, eine Stadt, die sich aktiv für eine Reform des Abtreibungsrechts einsetzt, wählte ihr Werk bewusst aus, um auf den anhaltenden Kampf um reproduktive Rechte aufmerksam zu machen.
Die Veranstaltung am 26. September zeigt, wie Literatur reale gesellschaftliche Kämpfe widerspiegeln kann. Burgard-Arps Roman erscheint zu einer Zeit, in der Deutschland weiterhin um den Zugang zu Abbrüchen ringt – vom Fall des § 219a bis hin zu Forderungen nach einer umfassenden Entkriminalisierung. Für Bottrop und seine Gäste ist die Lesung gleichermaßen ein kulturelles Ereignis wie eine Mahnung, dass die entscheidenden Kämpfe noch bevorstehen.






