Zufit Simon erhält Tanzpreis München für ihr revolutionäres Lebenswerk
Tim PetersZufit Simon erhält Tanzpreis München für ihr revolutionäres Lebenswerk
Die Choreografin Zufit Simon erhält 2025 den Tanzpreis München für ihr Lebenswerk. Mit nur 45 Jahren hat sie über Jahrzehnte hinweg den zeitgenössischen Tanz mit mutigen, experimentellen Werken geprägt. Ihr jüngstes Stück, The Fight Club, wird am 23. April das Best OFF Festival in Hannover eröffnen.
1980 in Israel geboren, zog Simon vor 25 Jahren nach Deutschland. Ihr Durchbruch gelang mit fleischlos – ihrem ersten Solo –, das 2005 beim euroscene Leipzig den dritten Platz belegte. Früh gefördert wurde sie von Dietrich Oberländersartblau Tanzwerkstatt in Braunschweig, die ihre Arbeiten von Anfang an produzierte.
Bis 2019 lotete Simon mit Werken wie Schäume (Foams) die Grenzen des Tanzes aus: unchoreografierte Bewegungen, Stimmarbeit und technische Verzerrungen verschmolzen zu einem neuen Ganzen. Ein Jahr später sorgte Strange Foreign Bodies mit nackten Performern auf der Bühne für Aufsehen – ein bewusster Stilbruch. Kritiker vergleichen ihre Choreografien mit der molekularen Küche: jedes Element auf das Wesentliche reduziert, doch vollends präsent.
In The Fight Club verdichtet Simon nun ihre Bewegungssprache weiter. Das Stück erkundet körperlichen Protest durch Kampf, Kraft und maskuline Posen – ein neuer Abschnitt in ihrem künstlerischen Werdegang.
Ihr Weg war nicht ohne Hindernisse: Das LOT Theater, wo viele ihrer Stücke uraufgeführt wurden, schloss 2024 wegen Insolvenz. Schon 2016 hatte das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur die konzeptionelle Förderung für ihre Projekte gekürzt.
Der Tanzpreis München würdigt Simons nachhaltigen Einfluss auf die zeitgenössische Performance. Mit der Premiere von The Fight Club beim Best OFF Festival in Hannover führt sie ihre Tradition provokativer, körperbetonter Arbeiten fort. Ihr prägender Einfluss auf den deutschen Tanz bleibt ungebrochen – auch wenn sich ihr künstlerischer Fokus weiterentwickelt.






