Thalia Theater verhandelt in theatralischem Prozess über ein AfD-Verbot
Tobias ZimmermannRegisseur Milo Rau verhandelt AfD im Theater - Thalia Theater verhandelt in theatralischem Prozess über ein AfD-Verbot
Hamburgs Thalia Theater wagt diese Woche ein politisches Experiment: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert im Rahmen der Hamburger Lessingtage ein dreitägiges Gerichtsverfahren gegen Deutschland. Im Mittelpunkt der theatralischen Verhandlung steht die Frage, ob die rechtspopulistische AfD verboten werden sollte.
Rau ist bekannt für provokantes, an der Realität orientiertes Theater. Zu seinen früheren Projekten zählt die Hass-Trilogie (2010–2011), in der er Hassverbrechen mit den tatsächlich Beteiligten nachstellte, um Rassismus und Gewalt zu konfrontieren. In Der Kongo-Tribunal (2015) führte er ein Bürgerforum zu den Gräueltaten in der Demokratischen Republik Kongo auf. Mit Brecht, mein Held (2017) dekonstruierte er brechtsche Methoden, um die moderne Politik zu kritisieren. Seine Stücke wurden an renommierten Häusern wie der Berliner Schaubühne, dem NTGent sowie auf Festivals wie dem Theatertreffen und der Biennale Venedig gezeigt.
Die Lessingtage, ein politisches Festival, das 2010 vom damaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet wurde, stehen mittlerweile unter der künstlerischen Leitung von Matthias Lilienthal, der bald die Leitung der Berliner Volksbühne übernehmen wird. Für die diesjährige Ausgabe simuliert Raus Gerichtsverfahren gegen Deutschland einen Prozess mit Juristen und Fachleuten in leitenden Rollen. Die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin übernimmt die Funktion der vorsitzenden Richterin.
Die Veranstaltung erstreckt sich über drei Tage und wird live auf der Website des Thalia Theaters übertragen. Das Publikum kann verfolgen, wie das fiktive Gericht die Argumente für und gegen ein AfD-Verbot prüft.
Das Gerichtsverfahren gegen Deutschland bildet den Abschluss der diesjährigen Lessingtage und führt Raus Tradition fort, Theater mit drängenden politischen Fragen zu verbinden. Die Inszenierung lotet aus, wie Kunst aktuelle Debatten über Demokratie und Extremismus aufgreifen kann.
Jury empfiehlt Überprüfung des AfD-Verbots, nicht totale Verbots
Die Jury im fiktiven Prozess hat in Milo Rau's Prozess gegen Deutschland ihr Urteil gefällt.
- Eine knappe Mehrheit plädierte für eine Überprüfung des AfD-Verbots, aber nicht für ein totales Verbot.
- Es kam zu keinem Konsens bezüglich der Regulierung des Social-Media-Zugangs für Minderjährige.
- Die Entscheidung spiegelt nuancierte Positionen wider, anstatt klare Urteile.