Rücktritt des SWB-Chefs Hermes: Bonner Immobilienskandal erschüttert Stadtwerke
Hannah PetersRücktritt des SWB-Chefs Hermes: Bonner Immobilienskandal erschüttert Stadtwerke
Olaf Hermes, der Chef der Bonner Stadtwerke (SWB), hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Sein Abschied erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das kommunale Unternehmen mit einem wachsenden Immobilienskandal konfrontiert ist, in den lokale Politiker und private Interessen verwickelt sind. Trotz der Kontroverse betont Hermes, nichts falsch gemacht zu haben, und plant, das Unternehmen bis zum Sommer zu verlassen.
Sein Rückzug fällt in eine entscheidende Phase: Die Stadtwerke bereiten große Investitionen in die Wärme- und VerkehrsWende vor und suchen gleichzeitig nach Einsparmöglichkeiten im öffentlichen Nahverkehr.
Hermes hatte den Skandal bereits im Dezember aufgedeckt, als er bekannt gab, dass lokale Politiker versucht hätten, die SWB von einem Grundstücksgeschäft auf dem Gelände des Flugplatzes Hangelar abzuhalten. Spätere Ermittlungen deuteten darauf hin, dass der Inhaber eines Bonner Busunternehmens – ein großer CDU-Spender – Einfluss auf die Entscheidung genommen haben könnte. Die Stadt schätzt die Verluste durch das fehlerhafte Geschäft von 2019 mittlerweile auf über 10 Millionen Euro.
Der Aufsichtsrat der Bonner Stadtwerke hat Hermes und der Geschäftsführung weiterhin sein Vertrauen ausgesprochen. Daniel Rutte, Aufsichtsratsmitglied der Grünen, erklärte, Hermes habe "nichts falsch gemacht", während andere Beteiligte des Skandals weiterhin in ihren Positionen verblieben. Das Unternehmen plant, einen vertraulichen Bericht über die mutmaßlichen Einflussnahmen an die Staatsanwaltschaft zu übermitteln.
Bis März 2026 will die Stadt Bonn rechtliche Schritte einleiten. Geplant sind eine unabhängige Überprüfung des Hangelar-Deals, Schadensersatzklagen gegen ehemalige Amtsträger und Projektentwickler sowie die Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, um die verlorenen Gelder zurückzuholen. Hermes jedoch besteht darauf, dass sein Rücktrittsentschluss endgültig ist und sieht keine Möglichkeit, seine Meinung zu ändern.
Mit Hermes' Abgang stehen die Bonner Stadtwerke nun vor einem Führungswechsel und gleichzeitig anhaltenden juristischen Herausforderungen. Das Unternehmen muss nicht nur die geplanten Infrastrukturinvestitionen stemmen, sondern auch die Folgen des Immobilienskandals bewältigen. Die rechtlichen Auseinandersetzungen und möglichen Klagen könnten sich noch über die kommenden Jahre hinziehen, während die Stadt versucht, ihre Verluste wettzumachen.
