Pflegereform: Wer soll die steigenden Kosten für Eltern und Kinderlose tragen?
Tobias ZimmermannPflegereform: Wer soll die steigenden Kosten für Eltern und Kinderlose tragen?
Pläne zur Reform des deutschen Pflegeversicherungssystems haben eine Debatte darüber ausgelöst, wer die finanziellen Lasten tragen soll. Der Wirtschaftsexperte Martin Werding hat Bedenken gegen Vorschläge geäußert, die erwachsene Kinder stärker an den Pflegekosten ihrer Eltern beteiligen könnten. Gleichzeitig prüft Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eine Anhebung des Zuschlags für kinderlose Versicherte.
Werding warnt vor einem Vorhaben, das von erwachsenen Kindern verlangt, sich früher an den Pflegekosten ihrer Eltern zu beteiligen. Seine Argumentation: Diese Kinder übernähmen bereits einen erheblichen Teil der Pflegeaufwendungen und entlasteten so das staatliche Versicherungssystem.
Der Berater schlug zudem vor, die Regeln auszuweiten, die von Menschen mit weniger oder keinen Kindern höhere finanzielle Beiträge verlangen. Im Rahmen der anstehenden Reformen regte er an, den Zuschlag für kinderlose Versicherte in der Pflegeversicherung zu erhöhen. Allerdings äußerte er die Sorge, dass höhere Kosten ältere Menschen davon abhalten könnten, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken erwägt eine Erhöhung des Zuschlags für kinderlose Versicherte. Derzeit liegt der Satz bei 0,6 Prozent, doch ihr Vorschlag sieht eine Anhebung auf 0,7 Prozent vor.
Ziel der Reformen ist es, die Finanzierung der Pflege neu auszurichten – mit besonderem Fokus auf die Beiträge kinderloser Erwachsener. Werdings Warnungen verdeutlichen mögliche unbeabsichtigte Folgen, etwa dass Senioren auf Sozialhilfe verzichten könnten. Die Regierung steht nun vor der Herausforderung, finanzielle Gerechtigkeit mit dem Erhalt eines zugänglichen Pflegesystems für alle in Einklang zu bringen.






