Marco Bülow – vom SPD-Rebellen zum politischen Einzelkämpfer aus Dortmund
Jana HerrmannMarco Bülow – vom SPD-Rebellen zum politischen Einzelkämpfer aus Dortmund
Marco Bülow, langjähriges Bundestagsmitglied aus Dortmund, ist im Alter von 54 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Als linker Kritiker innerhalb der SPD prägte er fast zwei Jahrzehnte lang die politische Debatte, bevor er enttäuscht die Partei verließ. Sein weiterer politischer Weg führte ihn durch kleinere Bewegungen, doch in seinen späteren Jahren blieb der Erfolg aus.
1994 zog Bülow erstmals in den Bundestag ein, nachdem er das Direktmandat für Dortmund unter dem SPD-Banner gewonnen hatte. Als überzeugter Linker setzte er sich gegen Lobbyismus ein und forderte eine ökosoziale Wende. Da sein Wahlkreis als sicher galt, konnte er sich mehr Freiraum nehmen, um Parteilinien infrage zu stellen – ein Umstand, der ihm den Ruf eines "ewigen Rebellen" innerhalb der SPD einbrachte.
Ab 2007 kam es zunehmend zu öffentlichen Konflikten mit dem Kurs der Partei. Bülow erklärte, er könne die SPD-Politik nicht länger mit seinem Gewissen vereinbaren. Zehn Jahre später, 2017, trat er offiziell aus der Partei aus und warf ihr "ausgehöhlte Ethik" und Prinzipienlosigkeit vor.
2020 schloss er sich Die PARTEI an, einer satirischen, aber politisch aktiven Gruppierung. Bei der Bundestagswahl 2021 kandidierte er erneut für das Dortmunder Direktmandat und erreichte fast neun Prozent der Erststimmen – ein beachtliches Ergebnis für die Partei. Dennoch unterlag er dem SPD-Kandidaten Jens Peick, der die Mehrheit holte. Nach dieser Niederlage zog sich Bülow aus der aktiven Politik zurück.
Sein Austritt aus der SPD hatte ihn politisch orientierungslos zurückgelassen. Versuche, in anderen Bewegungen Fuß zu fassen, blieben ohne größere Wirkung. Weder in Dortmund noch auf bundespolitischer Ebene hinterließ sein Abgang spürbare Veränderungen; seine späteren Jahre waren von nachlassendem Einfluss geprägt.
Bülows Tod im Januar 2023 beendet ein politisches Kapitel, das von Widerspenstigkeit und wechselnden Bindungen geprägt war. Zwar verhalf er Die PARTEI in Dortmund kurzzeitig zu mehr Aufmerksamkeit, doch seine Jahre nach der SPD brachten kaum nachhaltige politische Erfolge. Sein Vermächtnis bleibt mit seinen zwei Jahrzehnten im Bundestag und seinem unermüdlichen Infragestellen des parteipolitischen Mainstreams verbunden.
