Marathon-Theater feiert triumphales Comeback auf deutschsprachigen Bühnen
Hannah PetersMarathon-Theater feiert triumphales Comeback auf deutschsprachigen Bühnen
Lang geprobte Theaterstücke erleben in den deutschsprachigen Ländern ein Comeback
Das diesjährige Berliner Theatertreffen präsentierte Marathon-Aufführungen, darunter eine siebenstündige Inszenierung von Wallenstein. Der Trend markiert eine Rückkehr zum epischen Erzähltheater nach Jahren kürzerer, pausenloser Stücke während der Pandemie.
Die Tradition ausgedehnter Theaterabende reicht Jahrzehnte zurück. In den 1970er- und 1980er-Jahren trieb das Regietheater die Spieldauern auf neue Rekordlängen: Robert Wilsons Einstein on the Beach (Premiere 1976) dauerte vier bis fünf Stunden, Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiele 1999 sogar zwölf Stunden.
In jüngster Zeit wächst die Vorliebe für solche Ausdauerproben erneut. Das Schauspielhaus Bochum brachte 2023 Die Brüder Karamasow in sieben Stunden auf die Bühne. Die Berliner Volksbühne zeigt nun eine Neuinszenierung von Peer Gynt, dessen erster Teil bei der Uraufführung allein acht Stunden dauerte.
Die Pandemie hatte vorübergehend kürzere, durchgehende Stücke begünstigt. Doch das diesjährige Theatertreffen (1. bis 17. Mai) bewies: Das Publikum sehnt sich weiterhin nach großem Theater. Die Tickets für Wallenstein – eine siebenstündige Produktion der Münchner Kammerspiele – waren schnell ausverkauft. Das Festival lädt jährlich zehn herausragende Produktionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ein, oft mit Vorliebe für mutige, langatmige Werke.
Obwohl der Trend unübersehbar ist, erfasst der Deutsche Bühnenverein keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern. Doch Marathon-Theater bleibt fester Bestandteil der deutschsprachigen Bühnen – von Klassiker-Revivals bis zu modernen Adaptionen. Der Erfolg von Produktionen wie Wallenstein zeigt: Das Publikum schätzt nach wie vor immersives, langes Erzähltheater. Festivals wie das Theatertreffen unterstreichen diese lebendige Tradition.






