Machtkampf im Kfz-Gewerbe: ZDK und ZVK zerbrechen jahrzehntelange Allianz
Hannah PetersMachtkampf im Kfz-Gewerbe: ZDK und ZVK zerbrechen jahrzehntelange Allianz
Ein erbitterter Streit zwischen den beiden wichtigsten Automobilverbänden Deutschlands, dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) und dem Zentralverband Deutches Kfz-Gewerbe (ZVK), hat einen Wendepunkt erreicht. Neue Regelungen, die im Januar 2024 in Kraft traten, haben langjährige gemeinsame Governance-Strukturen abgeschafft und Vorwürfe gezielter Spaltung ausgelöst. Die Reformen verändern zudem Mitgliedsbeiträge und die Rolle von Ausschüssen, während die Konflikte um Kontrolle und Repräsentation eskalieren.
Der ZDK hat seine Satzung grundlegend überarbeitet und die automatische Aufnahme von ZVK-Vorstandsmitgliedern in sein Präsidium beendet. Stattdessen soll künftig ein Sitz an einen Vertreter des Handwerks gehen – eine Änderung, die der ZDK als Schritt zu mehr Transparenz und Branchennähe bezeichnet. Präsident Thomas Peckruhn und Geschäftsführer Jürgen Hasler argumentieren, die Neuerungen spiegelten die realen Gegebenheiten wider, doch Kritiker werfen ihnen einen Machtgriff vor.
Der ZVK hatte zuvor 95 Prozent der ZDK-Mitgliedsbeiträge gefordert, woraufhin der ZDK konterte: Jede Werkstatt zahlt nun jährlich 100 Euro direkt an die ZDK-Zentrale in Bonn. Den Ausschüssen wurden zudem Entscheidungsbefugnisse entzogen; sie agieren künftig nur noch beratend. Öffentliche Stellungnahmen sind nun allein der Führungsebene vorbehalten. Personalentscheidungen werden künftig über die Mitgliederversammlung laufen, was etablierten Kräften den Aufstieg in Spitzenpositionen erleichtert.
Hinter den Kulissen hat sich der einst heiß umkämpfte Streit um Hauptuntersuchungsgebühren als juristisches Thema erledigt. Der eigentliche Konflikt dreht sich um die Vorherrschaft: Der ZDK wirft dem ZVK vor, eine Krise künstlich eskaliert zu haben, um eine Abspaltung zu erzwingen. Um zu verhindern, dass Werkstätten abwandern, schafft der ZDK nun direkte Mitgliedschaftswege über seine Bonner Zentrale und intensiviert die Werbung in Schlüsselregionen wie Bayern und Nordrhein-Westfalen.
Die Reformen bedeuten einen radikalen Bruch mit der bisherigen Zusammenarbeit. Der ZDK betont, sein Kurs werde die Branche stabilisieren. Werkstätten stehen nun vor der Wahl, sich den Landesinnungen anzuschließen oder direkt dem ZDK beizutreten. Der Verband verspricht Aufklärung über die Folgen möglicher Austritte. Wie viele Betriebe letztlich die Seiten wechseln – oder bleiben –, bleibt abzuwarten.