Laumann attackiert Apothekenreform: "Dezentrale Versorgung ist nicht verhandelbar"
Jana HerrmannLaumann attackiert Apothekenreform: "Dezentrale Versorgung ist nicht verhandelbar"
Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann kritisiert Entwurf des Apothekenversorgungsstärkungsgesetzes
Vor der Debatte im Bundesrat am Freitag hat Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann den aktuellen Entwurf des Apothekenversorgungsstärkungsgesetzes scharf kritisiert. Er forderte umfassende Nachbesserungen, um vor Ort ansässige Apotheken besser zu unterstützen und die Arzneimittelversorgung langfristig zu sichern. Im Mittelpunkt seiner Bedenken stehen faire Vergütungsregelungen, die Dezentralisierung des Systems sowie die unternehmerische Eigenständigkeit der Apothekerinnen und Apotheker.
Laumann betonte, dass Apothekerinnen und Apotheker "Herr im eigenen Haus" bleiben müssten. Er warnte vor einer schleichenden Zentralisierung und verwies auf das Scheitern der Drogeriemarktkette Schlecker als abschreckendes Beispiel. Stattdessen plädierte er für ein dezentrales System, das flächendeckend stabile Arzneimittelversorgung in ganz Deutschland garantiert.
Der Minister setzte sich zudem für eine bundesweit einheitliche Lösung bei der Apothekervergütung ein. Während Hessen ein Pauschalmodell favorisiert, schlägt Bayern höhere Erstattungen für die ersten 20.000 Packungen vor, um kleinere Apotheken zu entlasten. Laumann lehnte das Pauschalmodell als alleinige Lösung ab und forderte einen ausgewogeneren Ansatz. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Stärkung der Verhandlungsautonomie der Apotheker bei Gebühren. Nordrhein-Westfalen strebt eine Vereinfachung der Apothekenbetriebsordnung an, die sich auf Kernprinzipien konzentriert und bundesweite Vorgaben reduziert. Zudem forderte Laumann klarere Regeln für Versandapotheken und bestand darauf, dass ausländische Anbieter im Gesetz explizit benannt werden müssen.
Trotz seiner Kritik räumte Laumann Fortschritte im Entwurf ein – etwa bei der Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen für Versandapotheken. Gleichzeitig machte er deutlich, dass vor der Abstimmung im Bundesrat noch weitere Änderungen notwendig seien.
Am Freitag wird der Bundesrat über das Apothekenversorgungsstärkungsgesetz beraten. Laumanns Vorschläge zielen darauf ab, die Position der Präsenzapotheken zu stärken, eine gerechte Bezahlung zu gewährleisten und Lieferengpässe zu vermeiden. Das Ergebnis der Debatte könnte maßgeblich beeinflussen, wie Apotheken in Deutschland künftig arbeiten und vergütet werden.
