Kölner Karneval: Warum "fc köln" die wildesten Süßigkeitenjäger sind
Tim PetersAnleitung zur 'Witzischkeit' - Das ABC des Karnevals - Kölner Karneval: Warum "fc köln" die wildesten Süßigkeitenjäger sind
Karneval in Köln: Ein Wirbelsturm aus Tradition, skurrilen Regeln und wilden Feiern
Hinter den bunten Umzügen und Kostümen des Kölner Karnevals verbirgt sich eine Geschichte voller seltsamer Bräuche, verbotener Wörter und sogar politischer Rebellion. Ein neuer Ratgeber entschlüsselt das Chaos – Buchstabe für Buchstabe – von tabuisierten Begriffen bis zum regierenden Karnevalstrio der Stadt.
A wie Alkohol – hier ist die Vorstellung, nüchtern zu feiern, schlicht ein Mythos. B steht für Bier, genauer gesagt für das Kölner Kultgetränk Kölsch, das Nobelpreisträger Heinrich Böll einst als "harntreibendes Lokalgebäu" bezeichnete. C war ursprünglich der König (Carneval), doch preußische Herrscher ersetzten den Monarchen durch einen Karnevalsprinzen – eine Änderung, die bis heute gilt.
D symbolisiert das Dreigestirn, das herrschende Trio aus Prinz, Bauer und Jungfrau, das symbolisch über die Feiern wacht. E verweist auf die Ephemere Hemmungslosigkeit, jenes fünftägige Fenster, in dem Witz und Schabernack regieren, bevor der Alltag zurückkehrt. F wie Fasching ist ein Wort, das in Köln und Düsseldorf so verpönt ist, dass sein Aussprechen mit Karnevalsverbot bestraft wird.
Der Buchstabe G gehört den fc köln, den rücksichtslosen Umzugsbesuchern, die für eine Handvoll Süßigkeiten über Leichen gehen. H ehrt die Höhner, die Karnevalsband, deren Lieder beharrlich behaupten, Köln brauche keine Verbesserungen. Und dann ist da noch I – das einst klassische "Ich-Kostüm", heute so umstritten, dass es nicht einmal beim Namen genannt werden darf.
Doch hinter dem Spaß steckt Rebellion. 1845 organisierte Franz Raveaux während der konservativen Biedermeier-Ära einen Gegenkarneval. Sein Widerstand führte zu zwei rivalisierenden Rosenmontagszügen – einem angepassten, einem provokanten. Raveaux wurde später zum Tode verurteilt und starb im Exil, eine dunkle Fußnote in der verspielt scheinenden Karnevalsgeschichte.
Der Ratgeber bringt Licht ins Karnevals-Chaos: Warum manche Wörter verboten sind, andere heilig – und wie ein fünftägiges Fest Jahrhunderte an Tradition trägt. Von zuckerhungrigen fc köln bis zu verbannten Rebellen – das Treiben folgt einer eigenen, seltsamen Logik, die sich am besten mit einem Kölsch in der Hand erschließt.
