Irina Vavitsa: Vom Gastarbeiterleben zur lebenslangen Gewerkschafterin
Tobias ZimmermannIrina Vavitsa: Vom Gastarbeiterleben zur lebenslangen Gewerkschafterin
Irina Vavitsa kam 1971 als griechische Gastarbeiterin nach Deutschland. Mit 76 Jahren ist sie noch immer in der Gewerkschaft IG Metall aktiv und setzt sich weiterhin für die Rechte der Arbeitnehmer ein. Ihre Geschichte spiegelt die Kämpfe und Erfolge von Migrantinnen und Migranten in der Nachkriegszeit wider.
Vavitsa begann ihre Arbeit bei Hella, einem Automobilzulieferer in Lippstadt. Sie lebte in Baracken, die einst für Zwangsarbeiter unter dem NS-Regime genutzt worden waren. Als ungelerntes Arbeitskraft verdiente sie weniger als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen sowie als ihre männlichen Arbeitskollegen.
1973, während der Ölkrise, beteiligte sich Vavitsa an einem dreitägigen Streik bei Hella. Die Arbeiter forderten gleichen Lohn für alle – unabhängig von Nationalität oder Geschlecht. Der Protest war erfolgreich und brachte den migrantischen Beschäftigten eine Lohnerhöhung von 50 Pfennig pro Stunde. Der Streik markierte einen Wendepunkt und zeigte die Solidarität zwischen Gastarbeitern und deutscher Belegschaft.
Vavitsa glaubt noch heute an die Kraft der Gewerkschaften. Sie betont die Notwendigkeit einer starken, klassenbewussten Gesellschaft, um die Rechte der Arbeitnehmer zu schützen. Gewerkschaften spielen heute eine zentrale Rolle dabei, die Geschichte der Gastarbeiterkämpfe zu bewahren und eine Erinnerungskultur aufzubauen.
Der Streik bei Hella verbesserte nicht nur die Löhne, sondern unterstrich auch die Bedeutung von Solidarität. Vavitsas anhaltendes Engagement hält das Erbe der Gastarbeiter lebendig. Ihre Kämpfe um Gerechtigkeit prägen bis heute die gewerkschaftlichen Bemühungen.
