Hunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und fordern politische Taten
Tobias ZimmermannHunderte protestieren in Bonn gegen sexualisierte Gewalt und fordern politische Taten
Hunderte Demonstranten füllten am Sonntag die Bonner Innenstadt, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren und konkrete Maßnahmen zu fordern. Die Kundgebung folgte nur einen Tag nach einem ähnlichen Marsch in Köln, bei dem über 5.000 Menschen auf die Straße gegangen waren. Organisiert wurde die Veranstaltung von einem Bündnis lokaler Parteien – darunter Grünen, CDU, SPD und Volt –, was die breite politische Unterstützung für das Anliegen unterstreicht.
Die Demonstration begann vor dem Alten Rathaus am Marktplatz, wo mehr als 500 Teilnehmende Plakate mit Aufschriften wie "Mädchen wollen einfach nur sicher sein" oder "Wir sind wütend" hochhielten. Rednerinnen und Redner forderten Männer auf, sich mit frauenfeindlichem Verhalten auseinanderzusetzen und sich für strukturelle Veränderungen einzusetzen. Die Proteste stehen im Kontext jüngster, viel beachteter Fälle, darunter die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes, ihr Ex-Mann, der Schauspieler Christian Ulmen, habe gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet.
Die Kundgebung knüpft zudem an die wachsende öffentliche Empörung an, die seit der "Spiegel"-Untersuchung zu digitaler Gewalt im Jahr 2023 weiter zugenommen hat. Offizielle Statistiken verzeichnen für 2024 bereits 18.224 weibliche Opfer sexualisierter Gewalt – ein Anstieg von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei wurden nur 2,4 Prozent der Fälle angezeigt. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hat inzwischen ein "Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt" angekündigt, das 2026 in Kraft treten und unter anderem sexualisierte Deepfakes sowie andere Missbrauchsformen unter Strafe stellen soll. Bereits zuvor hatten CDU-Politiker wie Günter Krings schärfere Strafen für GPS-Überwachung und eine Ausweitung der Entschädigungsansprüche für Betroffene gefordert.
Auf der Demonstration kritisierte Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, strengere Gesetze nicht zu unterstützen. NGOs wie "Terre des Femmes" fordern seit Langem ein umfassendes rechtliches Rahmenwerk, um bestehende Schutzlücken zu schließen.
Der Bonner Protest erhöht den Druck auf die Politik, die Reformen zu beschleunigen. Da die gesetzgeberischen Pläne bereits in Arbeit sind, rückt nun in den Fokus, wie schnell die neuen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden können. Die Organisatoren kündigten unterdessen an, dass bei ausbleibenden Fortschritten weitere Demonstrationen folgen werden.






