Häusliche Gewalt gegen Frauen steigt – doch Pilotprojekte retten Leben an Bahnhöfen
Jana HerrmannBundespolizistinnen beraten Gewaltopfer: Arzt oder Anzeige? - Häusliche Gewalt gegen Frauen steigt – doch Pilotprojekte retten Leben an Bahnhöfen
Gewalt gegen Frauen in Deutschland stieg 2024 um 3,5 Prozent an
Im Jahr 2024 nahm die häusliche Gewalt gegen Frauen in Deutschland um 3,5 Prozent zu – mit 187.128 gemeldeten Fällen. Als Reaktion auf diesen Anstieg wurden neue Maßnahmen eingeleitet, darunter Beratungsstellen an großen Bahnhöfen. Zwei Pilotprojekte haben seit ihrer Eröffnung bereits über 200 Betroffenen geholfen.
Die erste Anlaufstelle eröffnete am 15. August 2024 am Berliner Ostbahnhof, die zweite folgte am 29. September 2024 am Kölner Hauptbahnhof. Beide werden ausschließlich von speziell geschulten Polizistinnen betreut, die Frauen nach Gewalterfahrungen unterstützen.
Die Einrichtungen bieten Soforthilfe an – von der Vermittlung von Schutzunterkünften bis zur Organisation medizinischer Versorgung. Die Mitarbeiterinnen helfen auch bei der Dokumentation von Verletzungen oder der vorübergehenden Entfernung der Täter aus dem gemeinsamen Haushalt. Doch ihre Zukunft ist ungewiss: Die Finanzierung könnte im September 2027 auslaufen.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt fordert ein stärkeres politisches Vorgehen gegen häusliche Gewalt. Bisher wurden jedoch keine weiteren Standorte für ähnliche Beratungsstellen über die Pilotprojekte hinaus bestätigt. Eine Entscheidung über eine Ausweitung des Programms steht noch aus.
Expertinnen warnen, dass die gemeldeten Fälle das wahre Ausmaß des Problems wahrscheinlich unterschätzen. Viele Vorfälle werden nicht angezeigt – der tatsächliche Anstieg der Gewalt könnte daher noch höher sein.
Die beiden Pilotstellen haben seit 2024 bereits Hunderten Frauen geholfen. Ohne eine Verlängerung der Förderung könnten sie 2027 ihren Betrieb einstellen. Unterdessen prüfen die Behörden weiterhin, ob das Projekt auf andere Großbahnhöfe ausgeweitet werden soll.
