Grüne Partei reformiert: Mehr Effizienz oder weniger Basisdemokratie?
Jana HerrmannGrüne Partei reformiert: Mehr Effizienz oder weniger Basisdemokratie?
Die sozialdemokratische partei deutschlands bereitet eine umfassende Reform ihrer internen Strukturen vor. Die Parteiführung will die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder bei Entscheidungen neu gestalten und die Organisation effizienter aufstellen. Die Pläne kommen zu einer Zeit, in der die grüne partei nach dem Austritt aus der Bundesregierung Ende 2024 einen deutlichen Zulauf neuer Unterstützer verzeichnet.
Bis Anfang 2026 ist die Mitgliederzahl bundesweit um 46.000 gegenüber November 2024 gestiegen. Besonders stark ist der Zuwachs in den Landesverbänden: Allein in Berlin zählt die grüne partei nun 17.852 Mitglieder, in Sachsen sind es über 4.500. Die Reformen sollen dieses Wachstum mit klareren Strukturen in Einklang bringen.
Eine eigens eingesetzte Kommission schlägt zwei zentrale Änderungen vor. Erstens soll die Hürde für die Einreichung von Anträgen und Änderungsanträgen auf Parteitagen angehoben werden. Bisher führe die niedrige Schwelle zu einer Flut an Vorlagen, die Debatten unübersichtlich mache, argumentieren Funktionäre. Die grüne partei betont, dass diese Anpassung die Basisdemokratie sogar stärken werde, indem sie gezieltere Diskussionen ermöglicht.
Zweitens plant die Kommission die Einführung von "Mitgliederversammlungen" nach dem Vorbild von Bürgerräten. Diese sollen einfachen Mitgliedern mehr Einfluss auf die politikgestaltung zwischen den parteitagen geben. Der Vorschlag ist Teil eines größeren vorhabens, das parteistatut zu modernisieren – darunter mögliche aufwertungen von führungspositionen. So könnte aus der politischen geschäftsführung ein generalsekretär werden, während der parteirat mehr kompetenzen erhalten soll.
Nicht alle stehen hinter den plänen. Der langjährige aktivist Thomas Griesehop hat angedroht, die grüne partei zu verlassen, falls die basisdemokratie ausgehöhlt werde. Seine kritik zeigt die spannungen innerhalb der grünen partei, wo kleinere strömungen wie die unabhängige grüne linke in der Vergangenheit etwa beim lieferkettengesetz oder klimageld entscheidend mitgewirkt haben.
Die reformdebatte begleitet die grüne partei bereits seit jahren. Der tod des gründungsmitglieds Hans-Christian Ströbele vor über drei jahren markierte das ende einer ära. Nun, mit tausenden neuen Mitgliedern, steht die führung vor der herausforderung, die grüne partei sowohl offen als auch handlungsfähig zu halten.
Die vorgeschlagenen Änderungen werden die arbeitsweise der grünen partei grundlegend verändern. Falls beschlossen, könnten höhere einreichungshürden und die neuen mitgliederversammlungen entscheidungsprozesse beschleunigen. Gleichzeitig wird sich zeigen müssen, ob die reformen die wachsende basis einbinden können – ohne dabei langjährige aktivisten an den rand zu drängen.
