Giftige Altlast am Rhein-Herne-Kanal: Wer räumt Gelsenkirchens Müll-Skandal auf?
Jana HerrmannGiftige Altlast am Rhein-Herne-Kanal: Wer räumt Gelsenkirchens Müll-Skandal auf?
Eine der größten illegalen Mülldeponien Deutschlands liegt verlassen am Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen. Auf dem Gelände des Grimberg-Hafens lagern etwa eine Million Tonnen Abfall – darunter Müllverbrennungsasche, Bauschutt und Industrieabfälle. Recherchen von CORRECTIV zeigen nun, dass weitere 17 Unternehmen und Kommunen aus dem Ruhrgebiet zur Verschmutzung beigetragen haben könnten.
Das Desaster nahm vor Jahren seinen Lauf, als die Abfallanlagen noch in Betrieb waren. Radlader wirbelten Aschewolken auf, der Wind trug graue Partikel in benachbarte Gärten. Trotz offensichtlicher Überlastung griff die Umweltbehörde zu spät ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Deponie ihre genehmigten Lagergrenzen bereits bei Weitem überschritten.
Der Abfall stammt aus verschiedenen Quellen, darunter der eigene Entsorgungsbetrieb Gelsenkirchens sowie benachbarte Städte. Ein Teil könnte auch auf die Industrie des Ruhrgebiets zurückgehen. Die Abfallwirtschaftsbetriebe von Bottrop und Essen – wie viele andere – weigern sich nun, die Verantwortung für ihren illegal entsorgten Müll zu übernehmen.
Der Entsorgungsbetrieb der Stadt Herne wird mit rund 11.000 Tonnen der illegalen Ablagerungen in Verbindung gebracht. Das Unternehmen bestreitet jedoch jede Haftung. Unterdessen setzt das Gelsenkirchener Umweltamt das Kreislaufwirtschaftsgesetz ein, um die Erzeuger zur ordnungsgemäßen Entsorgung ihres Abfalls zu verpflichten.
Seit fast acht Jahren liegt das Gelände brach, nachdem mehrere zur Becker-Gruppe gehörende Firmen pleitegingen. Die Kosten für die Sanierung könnten sich auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag belaufen – eine schwere Belastung für den Gelsenkirchener Entsorgungsbetrieb. Das gesamte Abfallvolumen entspricht etwa 40.000 Lkw-Ladungen, was die Aufgabe noch gewaltiger macht.
Gelsenkirchen steht nun vor einer riesigen Altlastensanierung, deren Kosten voraussichtlich im zweistelligen Millionenbereich liegen werden. Das Umweltamt drängt die Abfallproduzenten zur Einhaltung der Entsorgungsvorschriften. Ohne die Mitwirkung der Verantwortlichen wird die finanzielle und ökologische Last jedoch vor allem die Stadt treffen.
Aufräumkosten für Gelsenkirchens illegale Müllhalde belaufen sich auf über 70 Millionen Euro
Neuste Berichte zeigen, dass die Aufräumarbeiten der illegalen Müllhalde Grimberg mindestens 70 Millionen Euro kosten werden. Diese scharfe Zunahme gegenüber den zuvor genannten 'hoch zweistelligen Millionen' betont die wachsende finanzielle Belastung. Die aktualisierte Zahl spiegelt sowohl die Größe der 1 Million Tonnen Müll als auch die Komplexität der sicheren Entfernung wider.