Europas Rüstungsindustrie wächst rasant – doch die USA bleiben technologisch vorne
Jana HerrmannEuropas Rüstungsindustrie wächst rasant – doch die USA bleiben technologisch vorne
Weltweite Konflikte und steigende Spannungen haben einen Boom bei den Militärausgaben ausgelöst. Rüstungshersteller in ganz Europa expandieren rasant, um die Nachfrage zu decken. Allein Rheinmetall plant, 10.000 neue Mitarbeiter einzustellen, während die Verteidigungsbudgets weltweit steigen.
Das Wachstum der Branche fällt in eine Phase der längsten bewaffneten Auseinandersetzungen seit Jahrzehnten. Mit den eskalierenden Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten setzen Staaten wie nie zuvor auf militärische Einsatzbereitschaft.
Europas Rüstungssektor kämpft darum, mit der explodierenden Nachfrage Schritt zu halten. Rheinmetall verzeichnete 2025 einen Umsatzanstieg von 29 Prozent, für dieses Jahr werden bis zu 45 Prozent Wachstum prognostiziert. Die massive Einstellungsoffensive des Konzerns spiegelt einen branchenweiten Trend wider, da die Regierungen ihre Ausgaben voraussichtlich 2026 um elf Prozent erhöhen werden.
Doch Europa hinkt den USA bei der Umwandlung von Forschung in einsatzfähige Waffensysteme hinterher. In den vergangenen zehn Jahren erhielten US-amerikanische Rüstungs-Start-ups rund 70 Milliarden Dollar an Fördergeldern. In Europa flossen dagegen nur sieben Milliarden Euro in den Sektor – gebremst durch zersplitterte Märkte und schwache Unterstützung für junge Unternehmen.
Österreich hat sich innerhalb seines Neutralitätsrahmens angepasst und die militärische Zusammenarbeit in der EU seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 vertieft. Am 22. Juli 2024 unterzeichnete das Land einen Vertrag mit den Niederlanden über Embraer-C-390-Transportflugzeuge, deren Auslieferung für 2028 geplant ist. Noch im selben Jahr wurde Österreich zum ersten europäischen Käufer des Flugabwehrsystems Skyranger 30 und bestellte es am 23. Februar. Die Teilnahme an der European-Sky-Shield-Initiative sowie Investitionen in Drohnen, Sensoren und SquadNet-Funkgeräte unterstreichen die veränderten Prioritäten.
Die heimische Rüstungsindustrie profitiert von dieser Entwicklung. 2025 genehmigte Österreich Rüstungsexporte im Wert von 3,944 Milliarden Euro. Selbst langjährige Hersteller nicht-tödlicher Ausrüstung steigen um: Schiebel, bekannt für unbewaffnete Drohnen, entwickelt nun bewaffnete Systeme, nachdem das Unternehmen Aufträge der griechischen und kanadischen Marine erhalten hatte.
Russlands Umstellung auf eine Kriegswirtschaft hat diesen Trend noch beschleunigt. Während weltweit die Verteidigungsbudgets steigen, steht Europas Industrie unter Druck, schneller zu liefern – trotz struktureller Hindernisse, die sie bremsen.
Der Rüstungsboom zeigt keine Anzeichen einer Verlangsamung. Rheinmetalls Expansion und Österreichs wachsende Rüstungsverträge verdeutlichen, wie Konflikte ganze Branchen umformen. Angesichts einer seit Jahrzehnten nicht mehr erreichten globalen Aufrüstung sehen sich die Hersteller sowohl mit einer beispiellosen Nachfrage als auch mit der Herausforderung konfrontiert, Innovation in handfeste Lösungen umzusetzen.