Erzbistum Paderborn entschuldigt sich für jahrzehntelangen Missbrauch durch 210 Täter
Hannah PetersBischof von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn entschuldigt sich für jahrzehntelangen Missbrauch durch 210 Täter
Das Erzbistum Paderborn steht erneut unter Kritik wegen historischer Missbrauchsvorwürfe – diesmal mit neuen Anschuldigungen gegen den verstorbenen Kardinal Johannes Joachim Degenhardt. Bischof Udo Markus Bentz hat sich öffentlich bei den Opfern entschuldigt, nachdem eine aktuelle Studie das Ausmaß der Missbrauchsfälle als weitaus größer enthüllte als bisher bekannt.
Die Erkenntnisse sind Teil einer laufenden Untersuchung zu jahrzehntelangem Fehlverhalten in der deutschen katholischen Kirche, das 2010 erstmals öffentlich bekannt wurde.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie deckte 489 Fälle sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn zwischen 1941 und 2002 auf. Der Bericht identifizierte 210 beschuldigte Täter, woraufhin Bischof Bentz die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen der Kirche bezeichnete.
Bentz wandte sich direkt an die Betroffenen und bat um Vergebung. Reinhold Harnisch, Sprecher des Opferverbands, begrüßte die Entschuldigung als notwendigen Schritt zur Wiederherstellung der Würde der Geschädigten. Zudem unterstützte er Forderungen, öffentliche Plätze umzubenennen, die mit Kardinal Degenhardt und seinem Vorgänger, Kardinal Lorenz Jaeger, verbunden sind – beide stehen im Verdacht, Missbrauch vertuscht zu haben.
Das Erzbistum hat sich verpflichtet, die unabhängigen Ermittlungen fortzusetzen, mit besonderem Fokus auf Degenhardts Rolle. Thomas Wendland, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums, wies darauf hin, dass kurz vor Veröffentlichung der Studie eine separate Aussage zu Degenhardt aufgetaucht sei.
Seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals 2010 arbeiten die deutschen Diözesen an der Aufarbeitung. Bisher wurden 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Überlebende gezahlt. Eine offizielle Reaktion von Bundes- oder Landesbehörden blieb jedoch aus; die Bemühungen konzentrieren sich weiterhin auf kircheneigene Präventionsprogramme und Hilfsangebote wie die von Gabriela Joepen und Prof. Dr. Martin geleiteten Initiativen.
Das Erzbistum Paderborn sieht sich nun unter Druck, die Ermittlungen zu historischen Missbrauchsfällen – insbesondere unter hochrangigen Klerikern – zu vertiefen. Neben den bereits an Hunderte von Betroffenen gezahlten Entschädigungen bleiben interne Reformen und öffentliche Anerkennung zentral für die kirchliche Aufarbeitung.
Sollten weitere Beweise auftauchen, könnte die Umbenennung von Straßen, die mit den beschuldigten Kardinälen verbunden sind, folgen – ein weiterer Schritt in der Auseinandersetzung des Bistums mit seiner Vergangenheit.