Düsseldorfer Startup verwandelt CO₂ in klimafreundliche Zement-Alternative
Jana HerrmannDüsseldorfer Startup verwandelt CO₂ in klimafreundliche Zement-Alternative
Ein Düsseldorfer Startup nimmt eine der größten Klimaherausforderungen der Baubranche in Angriff. Co-reactive hat ein Verfahren entwickelt, um CO₂ in zementähnliche Materialien mit negativer CO₂-Bilanz umzuwandeln – eine skalierbare Alternative, da herkömmliche Rohstoffe knapp werden. Das Unternehmen hat nun 6,5 Millionen Euro eingesammelt, um die Technologie aus dem Labor in die Großproduktion zu überführen.
Die Zementherstellung verursacht etwa 8 % der globalen CO₂-Emissionen. Steigende CO₂-Preise könnten die Produktionskosten innerhalb eines Jahrzehnts um bis zu 100 % in die Höhe treiben. Gleichzeitig verschwinden klassische Ersatzstoffe wie Flugasche und Hüttensand, da Kohlekraftwerke stillgelegt und die Stahlproduktion umgestellt wird.
Co-reactive setzt auf die Mineralisierung von CO₂ mit natürlichen Mineralien, um so sogenannte zusätzliche zementartige Materialien (ZZM) herzustellen. Diese reduzieren den Klinkeranteil im Zement, senken die Emissionen und verbessern gleichzeitig Festigkeit und Haltbarkeit. Das Verfahren ist als 'Drop-in-Lösung' konzipiert und lässt sich direkt in bestehende Produktionslinien integrieren – ohne aufwendige Umrüstungen.
Mit frischem Kapital von Investoren wie dem High-Tech Gründerfonds (HTGF), der NRW.Bank und öffentlicher Förderung durch das deutsche BIK-Programm skaliert das Unternehmen nun seine Produktion. Eine Demonstrationsanlage mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr soll im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen. Ab 2027 folgen erste Pilotanlagen mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen – gebaut in Partnerschaft mit Branchenführern.
Dr.-Ing. Andreas Bremen, Mitgründer und Geschäftsführer von Co-reactive, betonte, dass die Mittel den Übergang von der Laborphase zum kontinuierlichen Industriebetrieb beschleunigen werden. Anna Stetter vom HTGF unterstrich die Dringlichkeit der Lösung, da herkömmliche Ersatzstoffe zunehmend teuer und schwer verfügbar werden.
Die Seed-Finanzierung über 6,5 Millionen Euro wird Co-reactive dabei unterstützen, den CO₂-Mineralisierungsprozess zu industrialisieren. Die erste Demonstrationsanlage geht 2026 an den Start, größere Produktionsstätten sollen 2027 folgen. Gelingt der Durchbruch, könnte die Technologie eine direkte Alternative zu den schwindenden Zementersatzstoffen bieten – und gleichzeitig die Emissionen in einer der klimaschädlichsten Industrien deutlich reduzieren.
