Doppelsieg und scharfe Kritik: Klagenfurter Literaturfest zwischen Jubel und Protest
Tobias ZimmermannDoppelsieg und scharfe Kritik: Klagenfurter Literaturfest zwischen Jubel und Protest
Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt brachten große Preise und mutige Statements
Schaette gewann bei den diesjährigen Festspielen sowohl den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis als auch den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen. Die Veranstaltung rückte zudem die finanziellen Nöte der Literaturszene in den Fokus – mit deutlichen Worten einer Teilnehmerin.
Wirtschaftliche Sorgen prägten die Debatten des Festivals. Die ausschließlich aus sieben Frauen bestehende Jury griff das Thema in ihrer Würdigung auf. Unterdessen erhielt Ozan Zakariya Keskinkılıç den Deutschlandfunk-Preis für seinen Text Vater ohne Sohn.
Für Schlagzeilen sorgte Slata Roschal, die unmittelbar nach ihrer Lesung den sofortigen Abgang erklärte. Sie verweigerte die Konfrontation mit der Jury und kritisierte scharf den Literaturbetrieb. Im Mittelpunkt ihrer Vorwürfe standen schlecht bezahlte Stipendien und die prekären Verdienstmöglichkeiten von Autor:innen. Ihr Text thematisierte zwar prekäre Lebensumstände, richtete den Blick aber vor allem auf die Literaturszene selbst.
Weitere Auszeichnungen gingen an Kinga Tóth, die für den KELAG-Preis ausgezeichnet wurde – gelobt wurde ihr sprachlicher Witz und ihre Polyphonie, obwohl sie Deutsch erst in der Schule erlernte. Das Festival erinnerte zudem an Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem Gott zwar auf der Anklagebank sitzt, nach einer wahrheitsgemäßen Aussage aber freigesprochen wird.
Schaettes Doppelsieg markierte einen Höhepunkt in der Festivalgeschichte, während Roschals öffentliche Kritik die anhaltenden finanziellen Herausforderungen von Schriftsteller:innen unterstrich. Die Veranstaltung endete mit einer Mischung aus Feierlaune und kontroversen Diskussionen über den Zustand der Literatur heute.
