17 March 2026, 00:46

Craft-Bier boomt in Ostwestfalen-Lippe – während Großbrauereien kämpfen

Ein Plakat, das Bier in Amsterdam bewirbt und eine Gruppe von Menschen zeigt, von denen einige Gläser halten, sowie Text und ein Logo.

Craft-Bier boomt in Ostwestfalen-Lippe – während Großbrauereien kämpfen

Der Biermarkt in Ostwestfalen-Lippe verändert sich rasant. Seit 2020 haben kleine Craft-Brauereien an Boden gewonnen, während traditionelle Großbrauereien mit sinkenden Absätzen kämpfen. Bis 2025 steigerten die Craft-Hersteller ihren gemeinsamen Marktanteil von 12 auf 18 Prozent – angetrieben von der Nachfrage nach Premium- und Regionalprodukten.

2025 brachen die deutschen Bierverkäufe um 6 Prozent ein – der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung. Viele Brauereien passen sich nun an, indem sie ihr Sortiment um alkoholfreie Getränke erweitern oder regionale Bindungen stärken.

Die größeren Brauereien der Region haben Mühe, ihre Marktposition zu halten. Warsteiner, einst ein dominierender Akteur, verlor drei Prozentpunkte Marktanteil. Gleichzeitig verzeichneten kleinere Betriebe wie die Rieder Marktbier-Brauerei in Rietberg nach Investitionen in nachhaltiges Brauen 2022 ein Wachstum von 25 Prozent. Auch die Fiege-Brauerei in Paderborn setzte 2023 neue Schwerpunkte: Mit alkoholfreiem Bier und Exporten steigerte sie ihren Marktanteil um 2 bis 4 Punkte.

Neuere Produzenten reagieren ebenfalls auf den Wandel. Die erst vor vier Jahren gegründete Bielefelder Braumanufaktur bezeichnet sich mittlerweile als Getränkeunternehmen. Gründer Mike Cacic erweitert das Angebot um Erfrischungsgetränke und alkoholfreies Bier, um die rückläufigen Bierverkäufe auszugleichen. Die Barre-Brauerei setzt hingegen auf regionale Identität: Mit Merchandising-Artikeln und Messeauftritten bleibt sie in Kontakt mit der lokalen Kundschaft.

Christoph Barre, Geschäftsführer der Barre-Brauerei, lehnt Übernahmeangebote ab, um das Unternehmen unabhängig zu halten. Er warnt, dass viele Brauereien in die Insolvenz rutschen könnten, sollten die Verkäufe weiter zurückgehen. Sowohl Barre als auch die Bielefelder Braumanufaktur steigern die Produktion von alkoholfreiem Bier – eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage gesundheitsbewusster Konsumenten.

Die Hinwendung zu Craft-Bieren und alkoholfreien Alternativen prägt die Braubranche in Ostwestfalen-Lippe neu. Während kleine Brauereien mit Qualität, Nachhaltigkeit und regionalem Bezug Marktanteile gewinnen, müssen traditionelle Hersteller innovativ werden – oder riskieren weitere Verluste in einem sich schnell wandelnden Sektor.

AKTUALISIERUNG

Ein 20-j"ahriger R"uckgang setzt traditionelle Brauereien unter Druck

Der deutsche Biermarkt hat seit 2007 20 Millionen Hektoliter verloren, allein im Jahr 2023 ein Rekord von 3,5 Millionen Hl. Dieser langfristige R"uckgang erkl"art den im Originalbericht beschriebenen Umsatzr"uckgang im Jahr 2025. Branchenexperten warnen vor dringendem Restrukturierungsbedarf, da kleinere Brauereien kaum ├╝berleben k├Ânnen. 'Es wird nicht m"oglich sein, dass alle Anbieter langfristig ihre Position halten', sagt Dr. Volker Kuhl von Veltins und betont die beschleunigte Krise.