Christian Ulmen in der Krise: Ex-Frau wirft digitale Gewalt und Identitätsmissbrauch vor
Hannah PetersChristian Ulmen in der Krise: Ex-Frau wirft digitale Gewalt und Identitätsmissbrauch vor
Deutscher Komiker Christian Ulmen sieht sich schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau Collien Fernandes ausgesetzt. Sie wirft ihm vor, unter ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellt, explizite Inhalte verbreitet und in ihrer Identität Telefongespräche mit sexuellen Inhalten geführt zu haben – Handlungen, die sie als "virtuelle Vergewaltigung" bezeichnet. Die Anschuldigungen haben die Kritik an Ulmens früherem Werk neu entfacht, das oft von frauenfeindlichen Figuren und umstrittenem Humor geprägt war.
Viele hinterfragen nun seine Karriere, darunter Formate wie Wer will meine Freundin vögeln? und Mein neuer Freund, in denen er abwertende oder manipulative Rollen spielte. Fernandes' Schilderungen haben zudem eine breitere Debatte über den Umgang mit Frauen in der Unterhaltungsbranche und digitale Gewalt angestoßen.
Ulmen wurde in den mittleren 2000er-Jahren mit Mein neuer Freund bekannt, einer Reality-Show auf ProSieben. Woche für Woche spielte er einen anderen "schrecklichen Freund", der Beziehungen bewusst sabotierte – angeblich zu Komödienzwecken. Die beteiligten Frauen mussten ihn ihren Familien vorstellen, nur um sich sein skandalöses Verhalten gefallen zu lassen, das oft zu Trennungen oder finanziellen "Entschädigungen" führte, falls sie die Demütigungen durchstanden.
Sein satirisches Spielshow-Format Wer will meine Freundin vögeln? (2013) trieb die Provokation auf die Spitze. Als Moderator Uwe Wöllner – eine Figur mit schiefem Gebiss – leitete er einen Wettbewerb, bei dem Männer mit den vermeintlichen Attraktivitätswerten ihrer Partnerinnen prahlten. Die peinlichen Aufgaben der Show wurden weithin als frauenverachtend kritisiert, wobei unklar bleibt, welche konkreten Herausforderungen den Frauen gestellt wurden.
Eine weitere wiederkehrende Figur, der snobistische Adlige Alexander von Eich, festigte Ulmens Ruf für grenzwertigen Humor. Mit Stock und herablassendem "Franziskarrrrr!" kommandierte er seine Freundin herum. Damals wurde dies von manchen als Satire abgetan – doch angesichts von Fernandes' Vorwürfen wirken diese Auftritte heute in einem düsteren Licht.
Als die Beziehung zwischen Ulmen und Fernandes 2010 öffentlich wurde, fragten Medienkommentare sarkastisch, was ein "brillanter, geistreicher Intellektueller" wie Ulmen an einer "hübschen, aber etwas austauschbaren" Viva-Moderatorin finde. Die Autorin eines solchen Artikels hat sich inzwischen für diese abwertende Darstellung entschuldigt und betont heute, wie wichtig es sei, Frauen zu glauben – bei gleichzeitiger Wahrung der Unschuldsvermutung.
Fernandes' Vorwürfe fügen sich in ein größeres Muster ein, bei dem Männer die Privatsphäre und Autonomie von Frauen verletzen. Online solidarisieren sich viele mit dem Leitsatz der Missbrauchsüberlebenden Gisèle Pelicot: "Die Scham muss die Seite wechseln." Der Fall ist zum Kristallisationspunkt für Fragen nach Verantwortung – in privaten Beziehungen wie im öffentlichen Auftreten – geworden.
Die Anschuldigungen zwingen zu einer Neubewertung von Ulmens früherem Schaffen, in dem Frauenfeindlichkeit oft als Komödie verpackt wurde. Sollten sich die Vorwürfe der Identitätsfälschung und digitalen Belästigung bestätigen, wäre dies ein schwerer Vertrauensbruch. Die öffentliche Reaktion zeigt zugleich, dass ausbeuterischer Humor zunehmend auf Ablehnung stößt – und dass die Aussagen von Frauen ernst genommen werden müssen.
Der Fall verdeutlicht auch, wie frühere "Satiren" im Licht realer Schädigung plötzlich eine neue, bedrohliche Bedeutung gewinnen. Die rechtlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen sind noch offen – doch die Debatte hat sich bereits grundlegend verändert.






