Chinas Aufstieg: Droht dem kapitalistischen Weltsystem der Kollaps?
Eine kürzlich von Attac veranstaltete Konferenz untersuchte die sich verschiebenden Machtverhältnisse zwischen China und dem kapitalistischen Weltsystem. Ökonomen und Analysten diskutierten, ob Chinas wirtschaftlicher Aufstieg die globale Vorherrschaft neu gestalten könnte – oder ob tiefgreifendere Krisen bevorstehen. Die Debatten beleuchteten sowohl die industriellen Stärken Chinas als auch seine wachsenden inneren Herausforderungen.
Die Wirtschaftspolitik Chinas der letzten Jahrzehnte zielte darauf ab, strukturelle Ungleichgewichte zu beheben. Zwischen 2016 und 2025 drosselte die Regierung die Überproduktion von Stahl und Kohle, verschärfte die Umweltauflagen für die Schwerindustrie und testete Grundsteuern in Großstädten. Um den angeschlagenen Immobiliensektor zu stabilisieren, führte die Regierung die "Drei-Rote-Linien"-Politik ein, die die Finanzierung von Projektentwicklern einschränkte, während gleichzeitig Konjunkturprogramme aufgelegt wurden, um Infrastruktur und Kreditvergabe zu stärken.
Doch trotz dieser Maßnahmen bleibt Chinas Wirtschaft verfletzbar. Die Überkapazitäten in der Schwerindustrie bestehen fort, und die Krise auf dem Immobilienmarkt ist noch nicht überwunden. Der chinesische Ökonom Minqi Li argumentiert, dass das Land nun an einem Scheideweg stehe: Seine industrielle Dominanz werde durch einen bevorstehenden demografischen Rückgang relativiert. Die Aufnahme von Überschüssen hänge nach wie vor stark von kapitalistischen Investitionen ab, was zu sinkenden Profitraten führe.
Global betrachtet hat Chinas Aufstieg die US-amerikanische Vorherrschaft geschwächt, wird sie aber voraussichtlich nicht ersetzen. Das kapitalistische Weltsystem, ohnehin schon im Niedergang begriffen, steht vor einer ungewissen Zukunft. Ohne eine neue dominierende Macht könnte seine Fähigkeit, innere Widersprüche zu bewältigen, vollständig zusammenbrechen. Gleichzeitig verschärfen sich die ökologischen Druckfaktoren: Die globalen Temperaturen liegen bereits etwa 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau und treiben den Planeten näher an eine Katastrophe heran.
China selbst wird als semiperiphere Wirtschaft eingestuft – geprägt von privater Unternehmensherrschaft, abhängig von Niedriglöhnen und gekennzeichnet durch Umweltzerstörung. Diese Position erschwert es dem Land, zur neuen globalen Führungsmacht aufzustiegen.
Die Konferenz unterstrich einen kritischen Moment sowohl für China als auch für das kapitalistische System insgesamt. Zwar haben Chinas Reformen die Wirtschaft umgestaltet, doch die grundlegenden Instabilitäten bleiben bestehen. Das Fehlen eines klaren Nachfolgers für die US-Dominanz wirft Fragen nach der langfristigen Überlebensfähigkeit des Systems auf. Gleichzeitig erfordern die eskalierenden ökologischen Bedrohungen dringende Lösungen, die mit den aktuellen Wirtschaftsstrukturen nur schwer zu bewältigen sein dürften.
