CDU/CSU will Strafmündigkeit auf 12 Jahre senken – doch hilft das gegen Jugendkriminalität?
Tobias ZimmermannCDU/CSU will Strafmündigkeit auf 12 Jahre senken – doch hilft das gegen Jugendkriminalität?
Die konservative CDU/CSU-Fraktion drängt darauf, das Mindestalter für strafrechtliche Verantwortung in Deutschland von 14 auf 12 Jahre zu senken. Zu ihren Vorschlägen gehören schärfere Strafen für schwere Verbrechen wie Messerangriffe, Gruppenvergewaltigungen und Drogendelikte. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul behauptet, die heutigen 12-Jährigen seien reifer als frühere Generationen – Belege dafür bleibt er jedoch schuldig.
Die CSU argumentiert, eine Reform sei dringend nötig, da die Jugendkriminalität steige. Geplant sind Gerichtsverfahren für Kinder unter 14 Jahren, die Anwendung des Jugendstrafrechts ab 12 sowie strengere Urteile. Ziel ist es, kriminelle Karrieren früh zu unterbinden und zu verhindern, dass Minderjährige von Drogenbanden ausgenutzt werden.
Kritiker hinterfragen, ob Strafe allein die Kriminalität verringert. Viele junge Menschen leiden unter tiefer Verunsicherung, verschärft durch die Folgen der Pandemie, Einsamkeit und Kinderarmut. Übermäßiger Smartphone-Konsum und soziale Isolation erhöhen den Druck. Reul besteht darauf, das Justizsystem müsse sich anpassen, doch Experten warnen, dass ausgeweitete Sanktionen die Entwicklung von Kindern schädigen könnten. Sie plädieren dafür, die Ursachen wie Armut und psychische Probleme zu bekämpfen, statt auf härtere Strafen zu setzen.
Die Pläne der CDU/CSU setzen auf Repression, doch ihre Wirkung bleibt ungewiss. Eine Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters mag manche Straftaten abschrecken, doch sie birgt die Gefahr, die größeren Herausforderungen junger Menschen zu übersehen. Ohne Belege, dass schärfere Strafen wirken, dauert die Debatte über Jugendjustiz an.
