BP beschleunigt radikale Umstrukturierung trotz Ölpreis-Anstieg und Markt-Turbulenzen
Tim PetersBP beschleunigt radikale Umstrukturierung trotz Ölpreis-Anstieg und Markt-Turbulenzen
BP treibt Umstrukturierung voran – Ölpreise steigen, Märkte geraten unter Druck
BP setzt seinen ehrgeizigen Umstrukturierungsplan fort, während die Ölpreise stark anziehen und die globalen Energiemärkte mit neuen Turbulenzen konfrontiert sind. Seit 2023 hat der Marktwert des Konzerns um 20 Milliarden US-Dollar eingebüßt – eine Folge schwankender Rohölpreise, Inflation und geopolitischer Spannungen.
Zu den jüngsten Maßnahmen gehören der Verkauf einer Raffinerie in Deutschland, weitere Kostensenkungen und eine Welle von Desinvestitionen, mit denen die Finanzlage bis 2027 konsolidiert werden soll.
In den vergangenen Wochen sind die Ölpreise deutlich gestiegen: Die Nordsee-Sorte Brent notierte bei rund 112 US-Dollar pro Barrel. Auslöser war eine schwere Blockade in der Straße von Hormus, durch die fast 20 Prozent der globalen Öllieferungen und Flüssiggastransporte zum Erliegen kamen. Diese Störungen belasten BP zusätzlich, während das Unternehmen gleichzeitig seine interne Neuaufstellung beschleunigt.
Angesichts der finanziellen Belastungen hat BP sein Sparziel auf 6,5 bis 7,5 Milliarden US-Dollar bis 2027 erhöht. Zudem plant der Konzern, bis dahin Vermögenswerte im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu veräußern – mehr als die Hälfte davon ist bereits vertraglich gesichert. Ein zentraler Schritt ist der Verkauf der Gelsenkirchener Raffinerie an die Klesch Group. Mit dem Deal, der auch die Übernahme von rund 1.800 Mitarbeitenden umfasst, gibt BP eine Anlage ab, die jährlich 12 Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten kann. Analysten der HSBC stuften die BP-Aktie nach dem Verkauf von "Reduzieren" auf "Halten" hoch und verwiesen auf eine mögliche Entlastung von bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an Verbindlichkeiten.
Unterdessen eskalieren die Arbeitskonflikte in BPs Whiting-Raffinerie im US-Bundesstaat Indiana. Nach gescheiterten Tarifverhandlungen wurden rund 800 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte ausgeschlossen, doch die Unternehmensführung betont, die Produktion bleibe weitgehend unbeeinträchtigt. Zudem profitiert BP derzeit von einer vorübergehenden Lockerung der US-Schifffahrtsvorschriften: Eine 60-tägige Ausnahmeregelung vom Jones Act ermöglicht es ausländischen Schiffen, Waren zwischen amerikanischen Häfen zu transportieren – eine Entlastung für die Lieferketten.
Die Umstrukturierung bei BP fällt in eine kritische Phase für die Energiewirtschaft. Der Konzern stoßt Assets ab, kürzt Kosten und muss sich gleichzeitig mit Arbeitskämpfen auseinandersetzen, während die Ölpreise weiter schwanken. Mit bereits abgeschlossenen Desinvestitionen in Höhe von 11 Milliarden US-Dollar wird sich nun zeigen, ob diese Maßnahmen bis 2027 für eine Stabilisierung der Finanzen sorgen können.






