Böhmermanns Recherche gegen YouTuber Clownswelt löst Doxxing-Vorwürfe und Reichweiten-Boom aus
Jana HerrmannBöhmermanns Recherche gegen YouTuber Clownswelt löst Doxxing-Vorwürfe und Reichweiten-Boom aus
Ein aktueller Bericht des ZDF Magazin Royale und Zeit Online über einen rechtspopulistischen YouTuber hat für Aufsehen gesorgt. Die von Moderator Jan Böhmermann geleitete Recherche sollte angebliche Verbindungen des Betroffenen zur extremen Rechten aufdecken – stattdessen löste sie Vorwürfe des Doxxings und unerwünschte Nebenwirkungen aus.
Der Beitrag, ausgestrahlt im ZDF Magazin Royale, richtete sich gegen den Macher von Clownswelt, einem Kanal mit damals über 220.000 Abonnenten. Nach der Sendung stieg die Zahl der Follower auf mehr als 384.000 – ohne dass die Werbeeinnahmen beeinträchtigt wurden. Kritiker werfen der Berichterstattung vor, sie habe die Reichweite des YouTubers nur noch verstärkt.
Zeit Online verteidigte sich und betonte, nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht zu haben, um die Privatsphäre zu schützen. Dennoch warfen Nutzer in sozialen Medien Böhmermann und dem Medium Doxxing vor; einige forderten sogar als "Gegenmaßnahme" die Veröffentlichung ihrer Privatadressen.
Auch juristisch gibt es Bedenken: Der Medienanwalt Christian Solmecke hält es für möglich, dass der Beitrag gegen § 126a des Strafgesetzbuchs verstößt, der die Volksverhetzung unter Strafe stellt. Bei einer Verurteilung drohen bis zu zwei Jahre Haft.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hinterfragte die Belege für die angebliche Nähe des YouTubers zur extremen Rechten. Sie kritisierte die fehlenden konkreten Beweise in der Berichterstattung und verstärkte damit Zweifel an der Seriosität der Recherche.
Der Fall erinnert an Methoden, wie sie seit Langem von linksradikalen antifaschistischen Gruppen angewendet werden: Diese recherchieren und veröffentlichen private Daten mutmaßlicher Rechtsextremer. Beobachter fragen sich nun, ob öffentlich-rechtliche Sender durch solche Formate eher zur politischen Polarisierung beitragen als verantwortungsvollen Journalismus zu betreiben.
Ein messbarer Schub für die rechtspopulistische AfD blieb nach der Ausstrahlung aus. Datenvergleiche zeigen keine signifikante Veränderung in deren Umfragewerten. Die Debatte über Medienethik und die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der politischen Auseinandersetzung dauert indes an.






