Biogaswerk in NRW drosselt Produktion – Haushalte kehren zu fossilen Brennstoffen zurück
Tobias ZimmermannBiogaswerk in NRW drosselt Produktion – Haushalte kehren zu fossilen Brennstoffen zurück
Familiengeführtes Biogaswerk in Nordrhein-Westfalen muss Produktion drosseln – Haushalte kehren zu fossilen Brennstoffen zurück
Ein familiengeführtes Biogaswerk in Nordrhein-Westfalen hat seine Produktion zurückfahren müssen, sodass Anwohner erneut auf fossile Energieträger angewiesen sind. Die Familie Bening, Betreiber der Anlage in Maria Veen, musste eines ihrer fünf Blockheizkraftwerke (BHKW) abschalten, nachdem die 20-jährige Förderlaufzeit auslief. Ihr Schicksal steht exemplarisch für die größeren Herausforderungen bei Deutschlands Bestrebungen, die Stabilität der erneuerbaren Energien zu sichern.
Die Benings hatten 2023 einen Antrag auf Bundesförderung für den Netzanschluss gestellt, wurden jedoch – wie viele andere Betreiber auch – abgelehnt. Ohne finanzielle Unterstützung konnten sie eines ihrer BHKW nicht weiterbetreiben, das jährlich rund 700 Megawattstunden Wärme lieferte. In der Folge stiegen nahegelegene Haushalte wieder auf Erdgas um – ein Rückschlag für die Bemühungen, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu reduzieren.
Die Abschaltung erfolgte just zu dem Zeitpunkt, als eine Studie das Potenzial von Biogas unterstrich. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 kam zu dem Ergebnis, dass modernisierte Anlagen bis 2040 bis zur Hälfte des deutschen Strombedarfs in Phasen mit wenig Wind und Sonne decken könnten. Das Projekt „Visuflex“ hat bereits gezeigt, wie flexible Biogasanlagen heute schon Versorgungslücken bei den Erneuerbaren schließen können.
Doch rechtliche Hürden bleiben bestehen. Die EU-Kommission hat das neue deutsche Biogas-Fördergesetz, das Ende 2024 verabschiedet wurde, noch nicht genehmigt. Das Gesetz soll Anlagen unterstützen, die ihre Stromproduktion bedarfsgerecht anpassen – und würde den Benings damit eine neue Chance bieten, sich an künftigen Ausschreibungen zu beteiligen. Bis dahin verzögert die Unsicherheit jedoch Investitionen in der gesamten Branche.
Alleine in Nordrhein-Westfalen gibt es rund 1.100 Biogasanlagen, die unabhängig vom Wetter Strom und Wärme erzeugen können. Experten schätzen, dass Biogas bundesweit bis zu 50 Prozent des Reststrombedarfs decken könnte. Doch ohne stabile politische Rahmenbedingungen drohen weiteren Betrieben wie dem der Benings Stilllegungen – mit negativen Folgen für die Klimaziele.
Die Familie plant nun, ihren Standort in Maria Veen für eine flexiblere Stromerzeugung umzurüsten. Gelingt das Vorhaben, könnte ihr Projekt beweisen, welche Rolle Biogas in einem zuverlässigen erneuerbaren Energienetz spielen kann. Doch solange die EU-Zulassung auf sich warten lässt, bleiben sowohl ihre Zukunft als auch die deutsche Energiewende in der Schwebe.






