Bayer-Lobbyist warnt vor Agrarkrise und transatlantischen Spannungen in Europa
Hannah PetersTopmanager fürchtet wirtschaftlichen Graben zum USA - Bayer-Lobbyist warnt vor Agrarkrise und transatlantischen Spannungen in Europa
Die Debatte über genomeditierte Lebensmittel in Europa hat eine neue Wendung genommen. Statt sich auf die Technologie selbst zu konzentrieren, drehen sich die Diskussionen nun um steigende Lebensmittelpreise. Unterdessen hat der Chef-Lobbyist von Bayer Bedenken hinsichtlich der landwirtschaftlichen Zukunft Europas und seiner Beziehung zu den USA geäußert – und vor wirtschaftlichen Risiken gewarnt.
Matthias Berninger, der die Lobbyarbeit des Konzerns leitet, sieht für den Kontinent sowohl Chancen als auch Gefahren. Seine Äußerungen fallen in eine Phase, in der das Unternehmen bis Jahresende seine finanziellen Belastungen durch Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat verringern will.
Bayer, ein Schlüsselfaktor im Agrarchemie-Sektor, steht seit der Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 vor jahrelangen juristischen Herausforderungen. Mit dem Deal übernahm der Konzern auch Klagen wegen Glyphosat, einem Unkrautvernichter, der im Zentrum von Entschädigungsforderungen in Milliardenhöhe steht. Berninger zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass diese Verbindlichkeiten bis 2025 deutlich sinken werden.
Gleichzeitig betont er die Stärken Europas in der Agrarbiotechnologie. Doch warnt er, dass zu strenge Vorschriften zur Genomeditierung die Wettbewerbsfähigkeit der Region schwächen könnten. Ohne die Einführung modernerer Agrartechnologien prognostiziert Berninger langfristige Rückgänge bei der Weizenproduktion – mit Folgen für die Nahrungsmittelversorgung Afrikas.
Seine Sorgen gehen über die Landwirtschaft hinaus. Der Zusammenbruch der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen stelle für Europa eine größere Bedrohung dar als die Spannungen mit China, argumentiert er. Um weitere Konflikte mit den USA zu vermeiden, fordert Berninger die europäischen Führungskräfte auf, die eigenen Stärken auszubauen und gleichzeitig zentrale Schwächen anzugehen.
Während die EU-Diskussionen über Handel und Nachhaltigkeit weitergehen, bleiben die Details zur Regulierung genomeditierter Lebensmittel unklar. In jüngsten Berichten wurden keine konkreten Länder oder Institutionen genannt, sodass das Zulassungsverfahren für neue Agrartechnologien unsicher bleibt. Stattdessen dominieren Themen wie Pestizide und Landmaschinen die Debatte.
Bayers Bemühungen, die Glyphosat-bedingten Kosten zu bereinigen, fallen mit wachsenden Forderungen zusammen, die europäische Agrarpolitik anzupassen. Die Verschiebung der Diskussion von der Technologie hin zu den Lebensmittelpreisen spiegelt den zunehmenden Druck auf den Sektor wider. Ohne klarere Regulierungen und eine stärkere transatlantische Zusammenarbeit deuten Berningers Warnungen darauf hin, dass Europas Landwirtschaft und wirtschaftliche Stabilität in den kommenden Jahren vor ernsthaften Herausforderungen stehen könnten.
