09 December 2025, 06:09

70 Jahre Bundeswehr: Wie ein Streit um Wiederbewaffnung Deutschland prägte

Menschen mit Plakaten auf einer Straße protestierend, mit Gebäuden, Bäumen, Laternenmasten und Himmel im Hintergrund.

70 Jahre Bundeswehr: Wie ein Streit um Wiederbewaffnung Deutschland prägte

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Teaser: Die Bundeswehr entstand im Kontext des Ost-West-Konflikts. Doch die Debatten über Wehrpflicht und NATO-Ziele aus den Gründungsjahren hallen bis heute nach.

11. November 2025, 06:59 Uhr

Die Gründung der Bundeswehr als Streitkräfte der jungen Bundesrepublik löste in den 1950er-Jahren heftigen Widerstand aus. Im ganzen Land kam es zu Protesten, denn Kritiker warnten, die Wiederbewaffnung werde die Spannungen des Kalten Krieges verschärfen und die deutsche Wiedervereinigung unmöglich machen. Jahre lang spaltete die Debatte Politiker, Wissenschaftler und die Öffentlichkeit.

Offiziell wurde die Bundeswehr am 12. November 1955 ins Leben gerufen – zunächst noch schlicht als „Bewaffnete Kräfte“ oder Bundeswehrmacht bezeichnet. Den endgültigen Namen erhielt sie erst am 1. April 1956, doch der Widerstand brodelte bereits seit einem halben Jahrzehnt. Schon 1951 forderten Aktivisten ein Volksbegehren gegen die Wiederbewaffnung, das das Innenministerium jedoch verbot. 1952 eskalierten Straßenproteste in Gewalt: Bei einer Demonstration in Essen kam es zu einem tödlichen Schusswaffengebrauch.

Die Opposition formierte sich aus einem breiten Bündnis. Die Sozialdemokraten (SPD) plädierten für Neutralität und lehnten sowohl die Bundeswehr als auch die NATO-Mitgliedschaft ab. Gewerkschafter, christliche Gruppen und Intellektuelle schlossen sich unter dem Dach der Paulskirchenbewegung zusammen, einer zivilen Widerstandsbewegung. Sie warnten, die Wiederbewaffnung vertiefe die Teilung Deutschlands und füge dem Land moralischen Schaden zu. Ihr Schlachtruf „Ohne mich!“ wurde zum Symbol des Protests.

Erst im Juli 1956 billigte der Bundestag die allgemeine Wehrpflicht – doch der Widerstand riss nicht ab. 1957 unterzeichneten 18 führende Wissenschaftler, darunter Nobelpreisträger, das Göttinger Manifest und verurteilten Pläne, die Bundeswehr mit Atomwaffen auszustatten. Bereits zuvor hatte das Deutsche Manifest argumentiert, das neue Militär werde die Wiedervereinigung verhindern.

Trotz aller Proteste setzte sich die Bundeswehr als feste Institution durch. Die Wehrpflicht wurde eingeführt, die Bundesrepublik trat der NATO bei – und prägte so ihre Nachkriegsidentität neu. Doch die Befürchtungen der Gegner, die Wiedervereinigung und die Eskalation des Kalten Krieges betreffend, sollten noch Jahrzehnte nachwirken.